Springkrautbekämpfung

Jugendliche aus Deutschland und der tschechischen Republik wurden aktiv für das Flöhatal

Die Stadt Lengefeld initiierte und organisierte gemeinsam mit der Střední odborná škola (Berufsschule) aus Litvinov-Hamr im Juni 2013 ein Naturschutzprojekt im Flöhatal. Ziel war die Bekämpfung einer problematischen neuen Pflanzenart in unserer Region – des Drüsigen Springkrautes. Finanziert wurde dieses Projekt aus dem Ziel3-Kleinprojektefonds der Euroregion Erzgebirge / Krušnohori durch die Europäische Union und den Freistaat Sachsen sowie durch Eigenmittel der Stadt Lengefeld.

Das Indische oder auch Drüsige Springkraut stammt aus dem westlichen Himalaya. Es bevorzugt Standorte mit hohem Grundwasserstand und lasst sich deshalb im Erzgebirge meist an Fließgewässerstrecken und auf Feuchtbrachen finden. Jedoch breitet es sich aktuell rasant aus, besiedelt die Ufer zahlreicher Erzgebirgsflüsse mitunter inzwischen in völliger Dominanz und taucht sogar in Wäldern oder auf Bäumen auf. Ursachen sind oft kontaminierte Erdaushub-Böden und Gartenabfälle. Dem Namen macht das oft übermannshohe Kraut alle Ehre: auf einem Quadratmeter Springkrautflur können mehr als 30000 Samen produziert werden, welche die einzelnen Pflanzen bis zu sieben Meter weit weg schleudern. Ursprünglich wurde das Springkraut durch Imker eingeschleppt, denn seine Bestäubung erfolgt im Wesentlichen durch Honigbienen (und Hummeln). Nektar wird jedoch recht spät im Jahr produziert, weshalb die Bedeutung für die Imkerei auch hier gering sein dürfte. Im Gegenteil, das Vorkommen des Springkrautes verdrängt heimische bodenbesiedelnde Uferpflanzen, zu denen auch verschiedene für die Imkerei wichtige Weidenarten gehören. Das üppige Höhenwachstum der Pflanze und die Eigenschaft, an den Knoten von Sprossteilen erneut Wurzeln auszubilden, machen eine Bekämpfung extrem schwierig. Nur ein mehrjähriges Mähen kurz vor der Blüte und Beräumung des Mahdgutes verspricht Erfolg. Dieses Verfahren erweist sich jedoch angesichts des inzwischen massenhaften Auftretens der Pflanze als illusorisch. Das Drüsige Springkraut ist aus der heimischen Vegetation deshalb nicht mehr zu entfernen.

Dass dennoch dieses Projekt durchgeführt wurde, hat sowohl naturschutzfachliche als auch touristische Gründe. Zum einen wurden durch die Bekämpfung des Springkrautes Standorte heimischen seltener und gefährdeter Pflanzenarten gesichert, so zum Beispiel der Türkenbundlilie. Diese Pflanzenart wird nach Roter Liste Sachsen als gefährdet mit starkem Rückgang des Bestandes eingestuft. Aus toursitischer Sicht ist es außerdem bedeutsam, den Rad- und Wanderweg an der Flöha, zum Beispiel im Projektgebiet zwischen Bahnhof und Burg Rauenstein, attraktiv für touristische Gäste zu erhalten. Dazu gehört auch eine abwechslungsreiche, natürliche und erzgebirgstypische Vegetation, die durch das Springkraut zu verschwinden droht. Immerhin ist die wichtigste Motivation für Gäste, unser Erzgebirge aufzusuchen die Natur und die Erholung in ihr (Gästebefragung).

Inhalt der 5-tägigen Begegnungswoche vom 22.-26.06.2013 war die Durchführung eines praxisorientierten Begegnungstreffens für tschechische und deutsche Jugendliche im Alter von 18-25 Jahren zum gemeinsamen Kennenlernen, Abbau von Vorurteilen und Aufbau von Freundschaften, aber auch gleichzeitig gemeinsamer Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen in der erzgebirgischen Landschaft. Teilnehmer waren Schüler des Instituts für Gesundheit und Bildung in Großrückerswalde, Jugendliche aus dem Freiwilligen ökologischen Jahr unterschiedlicher Einsatzstellen, Mitglieder des Fördervereins Natura Miriquidica e.V. sowie aus der tschechischen Republik Schüler der Střední odborná škola (Berufsschule) aus Litvinov-Hamr.

Seminaristisch und praxisorientiert beschäftigten sie die Teilnehmer mit der binationalen erzgebirgischen Flora als unterrichtsergänzendes Projektangebot und handelten anschließend praktisch. Dazu wurde in der Begegnungswoche eine gemeinsame Unterbringung in einer grenznahen Unterkunft mit ökologischem Profil (Haus der Kammbegegnungen, Rübenau) realisiert, die einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern und gleichzeitig Praxiseinsätze beiderseits der Grenze ermöglichte. Der Schwerpunkt des Projektes lag einerseits auf dem intensiven Kennenlernen und der Entwicklung von Akzeptanz, Verständnis und Toleranz zwischen Jugendlichen bei gemeinsamen Aktivitäten. Um diesem Ziel gerecht zu werden, wurde ein umweltpädagogisch begleitetes kulturelles Rahmenprogramm mit Exkursionen in erzgebirgstypische Lebensbereiche, kulturellen Besichtigungen, praxisorientiertem Sprachunterricht sowie ausgleichender körperlicher Betätigung angeboten. Neben dem Kennenlernen der Bildungseinrichtung, aus denen die deutschen Teilnehmer stammten, waren deutsch-tschechische Abende, ein Kochseminar mit gemeinsamer Zubereitung und Verkostung von erzgebirgischen Wildkräutern, GPS-Geländespiele sowie die Besichtigung eines Bergwerkes Bestandteil des abwechslungsreichen Programms.

Zum praktischen Teil gehörte auch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Bekämpfungsmethoden, den das Springkraut fördernden Umweltbedingungen im Mittleren Erzgebirge, der Gewässerbiologie und –chemie sowie den biologischen Voraussetzungen in der kultivierten Landschaft. Gemeinsam mit den lokalen Entscheidungsträgern wurde das Geschaffene reflektiert, was den Jugendlichen ein hohes Maß an Wertschätzung entgegenbrachte.

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